Leseprobe
 
Von Mützenow nach Westindien
aus

Bei immer noch verhangenen Himmel fuhren wir über Mützenow (pol. Mozdzanowo) nach Stolp. Ich wählte diesen kleinen Umweg, weil ich noch einmal den Ort sehen wollte, aus dem die Stolpmünder Vorfahren gekommen waren, nämlich Voss aus Mützenow. Die Ahnenlinie Voss lässt sich dort bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurückverfolgen. Es waren Bauern und Seefahrer darunter. Im Stolpmünder Kirchenbuch fand ich folgende Eintragung über den Bruder meiner Ur-Ur-Ur-Großmutter Eleonore Voss, geborene Münster:

»Dom. po. nat. wurde für den Seefahrend Gesellen Joh. Christian Münster gedacht und wurden dessen Personalien abgelesen und die Leichen-Collecte gesungen. Er ist 1777 d 15 tn Febr. geboren. 1788 confirmirt. Ging früh zur See, nach England ..., und blieb 1795 daselbst heimlich, fuhr da auf der See und im vorigen Jahr mit vorgenanten nach Guinea, und ist auf der Rückreise gestorben ob noch in Guinea, oder auf der Reise nach Westindien, oder von Westindien nach England ist nicht recht bekannt worden. Ob diese beide sind begraben worden, oder wie die andern Sclaven, wenn sie starben über Bord geworfen, darüber sind keine sichere Nachrichten. Schwartz auch ein Pommerl. Matrose, der auf dem ... Schiff die Reise mit ihnen gemacht, und glücklich zurück gekommen, hat in Liwerpool, des Domreesen seinem Vater nicht viel erzählen wollen, aber dass sie beide am hitzigem Fieber verstorben. Es trift zu: Wer (sich?) werden ... Doch wird auch des Na... Apa: 20 4. iJ.«

(„Kirchen Buch vor die Kirche zu StolpMuende, angefangen im Jahr 1754 ...“ - Sterberegister, Seite 128 und 129, Nr. 13, - FamilySearch Mikrofilm # 0896084, Volum # 6)

Einige Stellen in jenem Dokument ließen sich nicht entziffern. Aber die Geschichte hinter der Eintragung ist interessant. Mein Ur-Ur-Ur-Großonkel Johann Christian Münster fuhr von Stolpmünde als Matrose nach England. Dort heuerte er auf einem Schiff an, das nach Guinea in Afrika segelte. Das Schiff hatte offensichtlich Sklaven an Bord, die nach Westindien gebracht wurden. Die Reise ging also nach Amerika. Auch heute noch werden jene Inseln, wo Kolumbus in der Karibik an Land ging, die Westindischen Inseln genannt. 1795 blühte der Sklavenhandel und Johann Christian Münster diente offensichtlich auf einem Sklavenschiff.
Mit „vorgenanten“ und „beide“ ist in der Aufzeichnung Martin Gottfried Domreese gemeint. Über ihn wurde die Eintragung auf der vorangegangenen Kirchenbuchseite gemacht. Er ist auf dem selben Schiff und auf der selben Reise am Fieber verstorben.


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Leserstimmen:
 
Dass ich so "mitreisen" konnte... das rührt mich an, wie es wohl kaum ein Bestseller je könnte.
- Juli 2015, www.pinkfisch.net

"...ich bin der Sohn von Willi und Sigrid Schönhoff geb. Voeste [aus Starnitz]. Waldemar Schönhoff, der Schmied, war mein Onkel. Wir leben in der Nähe von Goslar am Harz. Wir haben ihr Buch über Starnitz entdeckt und freuen uns sehr, es meinen Eltern zum Geburtstag schenken zu können."
- 10.März.2010, Werner Schönhoff

"...Meine Schwiegermutter googlete nach dem Geburtsort von meinem Vater und wollte mehr darüber wissen. Anschließend ist sie auf Ihre Homepage und Ihr Buch "Starnitz - Eine Reise nach Pommern und Ostpreußen" gestoßen... ich schenkte unter anderem meinem Vater ... Ihr Buch. Mein Vater freute sich riesig über dieses Geschenk..."
- 7. April 2010, Bettina Weimer, Tochter von Hermann Jannusch aus Starnitz

"...Ihr schönes Buch "Starnitz" macht alles augenblicklich! Ich kenne noch Häuser und Wege. Es ist meine Heimat! Ganz gegenwärtig! Aus meiner wunderbaren Kindheit mit allen Menschen dort, haben Sie unbewußt vieles erwähnt! Wir Starnitzer waren die glücklichsten Menschen vom Kreis Stolp! ... Danke für Ihre Mühe!
Herzlichst Ihre Irma Kunstmann" (geb. Irma Schlobohm)
- 8. März 2006

"...Man kann es so gut lesen und immer wieder mal zwischendurch zur Hand nehmen. So lange man lebt, wird man wohl die Erinnerungen an Starnitz nicht vergessen..."
- 19. November 2004, Anni u. Willi Garz

"...Gestern Abend hatte ich in etwa die Hälfte [des Buches] gelesen, da es sehr viel Freude machte. So sah ich dann u.a. auch die Volksschule, die meine Großeltern im späten 19. und den ganz frühen Jahres des 20. Jhs. besucht haben müssen, im Bild zum ersten Mal... Ich danke Ihnen für Ihre Mühe..."
- 18. Januar 2003, Karla Köplin Schmidt

 
 
 

 

© Copyright by Reinhard Staubach - Aktualisiert: Dienstag, 07-Apr-2026